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1843 
 



Lord Dalhousie läßt seinen Beraterstab prüfen, ob es auch in Indien möglich sein würde, mit dem Aufbau der Eisenbahn zu beginnen, die in Großbritannien gerade erst entwickelt worden ist.
1849






Die Gründung der Great Indian Peninsular Railway vollzieht sich am 1. August 1849 durch einen Staatsakt im Parlament, das gleichzeitig eine heftig umstrittene Zinsgarantie verabschiedet, wonach das beim Bau der Bahn in Indien eingesetzte Kapital aus der indischen Staatskasse eine fünfprozentige Verzinsung erfahren würde und dem Staat ein Vorkaufsrecht auf alle derart gebauten Privatbahnen zu den Selbstkosten einräumte.
1853


   
Indiens erster Zug – in der eigens neu eingeführten  Breitspurweite (1670 mm) – startet am 16. April 1853 vom Werftgelände Bori Bunder in Bombay zu seiner Jungfernfahrt nach Thane (34 km).
1855
Die Dampflokomotive "Fairy Queen" (mittlerweile im Touristentransport agil, die älteste noch laufende Lok der Welt) nimmt ihren Liniendienst in Indien auf.
1860
Nur sieben Jahre nach dem Start sind 1274 Kilometer an Schienen in Breitspur verlegt. Sie erobern das Land von den Seehäfen Bombay, Kalkutta und Madras aus.
1870
In Indien sind 7000 km Schiene in Breitspur verlegt, weitere 3000 Streckenkilometer befinden sich im Bau.
1873
Das System privater Finanzierung mit staatlichen Garantien funktionierte beim Bau der Hauptmagistralen ausgezeichnet. Für den Nebenbahnsektor war dies der öffentlichen Hand zu teuer. Vizekönig Lord Mayor ließ die Bahnen in infrastrukturschwachen Regionen in einer Spurweite von 1000 mm ausführen, um Verluste zu vermeiden, womit nun aber die ökonomisch unsinnge Idee mehrerer Spurweiten (und damit mehrerer Eisenbahnsysteme) in einem Land geboren war. 1873 war die erste dieser Linien zwischen Delhi und Rewari fertig, bis zur Jahrhundertwende folgten weitere 2600 km der neuen Meterspur, vornehmlich zwischen Delhi und der Westküste sowie nördlich des Ganges.
1881
Die älteste Gebirgsbahn Indiens, die Darjeeling Himalayan Railway (DHR), eine Schmalspurbahn der Superlative, nimmt ihren Betrieb in Westbengalen auf.
1887
Victoria Terminus Bombay, der Hauptbahnhof der Metropole Bombay, wird in aller Pracht und im Stil einer "neugotischen Kathedrale" erbaut. Wie eine fromme Legende unter Hindus zu berichten weis, musste dem Bau des Bahnhofs der Briten damals der Tempel der Göttin Mumbai weichen, der späteren Namenspatronin der Stadt, die beim Bau der britischen Eisenbahn-Kathedrale ins Goldschmiedeviertel Bombays umgezogen sein soll, wo auch heute noch, versteckt ihr (vielbesuchter) Tempel zu finden ist.
1891
Toiletten werden dieses Jahr auch für die Passagiere in der dritten Klasse eingeführt. Als "winzige Löcher" von gerademal 12 Zentimetern im Durchmesser, beschreibt sie Andreas Altmann. Ein Bahningenieur kommentierte 1891 sarkastisch, dass die Größe der Öffnung genau jenem Betrag entspreche, den seine Benutzer für ihre Fahrkarte bezahlt haben sollen.
1900
Das indische Eisenbahnnetz umfaßt 35 981 Kilometer und ist mittlerweile das viertgrößte der Welt und das ausgedehnteste in ganz Asien.
1908
Die "Nilgiri Mountain Railway" bei Ooty, mit Abstand die bemerkenswerteste aller indischen Meterspurbahnen, nimmt ihren Betrieb auf. Viele erwähnen sie deshalb in einem Atemzug mit der "Darjeeling Himalayan Railway". Schon in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte ein gewisser Major Morant die Idee, eine Zahnradbahn in die Nilgiri-Berge zu bauen, die an schweizerische Konzepte angelehnt sein sollte. 1882 besuchte M. Riggenbeck - der "Vater" der Rigibahn - Nilgiri im Süden Tamil Nadus, um Major Morant seine Bauvorschläge zu unterbreiten. 1885 erfolgte der erste Spatenstich. Wegen finanzieller Schwierigkeiten dauerte es jedoch bis ins Jahr 1908, ehe die gesamte Strecke dem Betrieb übergeben werden konnte. [Florian Schmidt: Die Eisenbahnen in Indien.]
1925
The Great Indian Peninsular Railway of Bombay stellten 1925 (als zum Regierungsbezirk Bombay noch die Staaten Maharashtra und Gujarat zusammengefaßt waren) die erste Elektrolok Indiens in Dienst.
1947
Unabhängigkeit von Großbritannien. Die Indische Union wird mit 55 000 Schienenkilometern um Mitternacht in die Freiheit entlassen, während die andere Hälfte des Landes, Pakistan und das heutige Bangladesch, sehr viel weniger vom stählernen "Kuchen" behalten können.
1977
Neu-Delhi feiert am 1. Februar 1977 den Eröffnungstag des Rail Transport Museum, des ersten Bahnmuseums Indiens. Eins der Prunkstücke ist das Exponat "Fairy Queen" (Achsfolge 1A 1), gebaut in England bei "Kitson Thompson and Hewittson of Leeds" im Jahre 1855 für die East Indian Railways. Die 26 Tonnen schwere Lok ist die älteste betriebsfähige Dampflokomotive der Welt!
1992
Das Projekt Einheitsspur der indischen Bahn läuft an. Bis heute sind beinahe 10 000 Streckenkilometer in seinem Namen von der Meterspurweite (1000 mm) in die weitaus leistungsfähigere Breitspurweite (1670 mm) des Hauptnetzes umgerüstet worden. Jährlich sieht das ehrgeizige Konversionsprogramm die Umrüstung von ca. 1700 weiteren Kilometern im Streckenbauplan vor.
1999
Die meisten indischen Eisenbahnverwaltungen - noch zögert Western Railway auf ihrem Meterspurnetz in Gujarat - stellen in diesem Jahr die Dampftraktion ein. Allein auf den prominentesten Strecken der indischen Bergbahnen, der Darjeeling Himalayan Railway und der Nilgiri Mountain Railway, verbleiben nach 2000 noch einige wenige Dampflokomotiven im Regeldienst.
Auch für den Toy Train (Spur 610 mm) nach Darjeeling hinauf hatte die zuständige Verwaltung bereits sehr konkret an einen Ersatz der Spielzeug-Dampfloks durch Schmalspur-Diesellokomotiven gedacht und erste Aufträge für deren Fertigung längst vergeben, als im allerletzten Moment eine Entscheidung der UNESCO diese Modernisierung vereitelte: Überraschend erhob das UNESCO-Komitee am 5. Dezember 1999, auf seiner Sitzung in Marrakesch, Marokko, die alte Darjeeling Himalayan Railway zu einem Kulturgut allererster Güte, indem sie dieses Relikt aus der "Steinkohlenzeit" der Eisenbahngeschichte in ihre Liste der World Heritage Sites aufnahm, aber zugleich auch verlauten ließ, dass der neu verliehene Status der Bahn als Weltkulturerbe der Menschheit nur so lange Bestand haben würde, wie auch Dampfloks auf der spektakulären Bergstrecke verkehren, wofür die Darjeeling-Bahn aber seither auch Zuschüsse aus der Kulturkasse der UNESCO beziehen darf, zum Ausgleich des defizitären Unterhalts.
2000
In Indien endet das Zeitalter der Dampflokomotiven mit einer letzten Fahrt einer Meterspur-Dampflok der "Klasse YG" in Wankaner (Gujarat) am 17. Dezember 2000 - für einen Werbespot der Limonadenmarke PEPSI. Danach verblieben die letzten neun Dampfloks der Betriebsstätte Wankaner für immer im Schuppen, weil die Strecke auf der sie bislang fuhren, zwei Tage darauf für den lange geplanten Umbau auf die Breitspurweite gesperrt wurde.
2002
Die Konkanbahn absolviert auf ihrer Neubaustrecke am 29. Dezember 2002 einen erfolgreichen Probelauf auf den 442 Kilometern ihrer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madgaon in Goa und Roha nahe Bombay.
2003
Das Eisenbahnnetz Indiens weist zum 27. Februar 2003 einen Umfang von 63 140 Streckenkilometern auf. Davon entfallen 45 099 km auf die Breitspurweite und 14 776 km auf die Meterspurweite und weitere 3265 km auf diverse Schmalspurweiten. Auch ist 2003 das Jahr der vielen Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der ersten Personenbahnfahrt in Indien, am 16. April 1853 über die bescheidenen 34 Kilometer von Bombay nach Thane.
2004
Der gigantische Hauptbahnhof Mumbais, der ehemalige Victoria Terminus Bombay, von seinen Bewunderern leichterhand zur "Eisenbahn-Kathedrale" des British Raj verklärt, wird 2004 vom UNESCO-Komitee in einer August-Sitzung zu einem Bauwerk des Weltkulturerbes erklärt und als Neueintrag in die Liste der World Heritage Sites aufgenommen. 1995 widerfuhr dem Bahnhof die Umbenennung in Chhatrapati Shivaji Terminus Mumbai (neuer Station Code: CSTM), wobei Chhatrapati keineswegs der Vorname des maratischen Freiheitshelden Shivaji ist, der im ausgehenden 17. Jahrhundert mit seinen Reiterüberfällen dem Mogulkaiser Aurangzeb einige Jahre die Stirn bot, sondern eine Bezeichnung für die Königswürde im alten Indien. Zum Chhatrapati oder "Schutzherren" hatte sich Shivaji die Krone selbst aufs Haupt gesetzt, wie auch die ganze Stadt seit dem 1. Mai 1995 (nach dem Erstarken der Hindunationalisten) nicht mehr Bombay, sondern Mumbai heißt, nun den Namen jener Göttin trägt, deren Tempel einst 1887 dem Bau des Bahnhofs der Briten hatte weichen müssen.
2005
Die Nilgiri Mountain Railway (NMR) wird zum 15. Juli 2005 vom UNESCO-Komitee neu in die Liste der World Heritage Sites aufgenommen. Nun gibt es (nach 1999 und 2005) zwei indische Bergbahnen, die den Ehren-Titel führen: "Weltkulturerbe der Menschheit".
2007
Die Patalia Monorail feiert in diesem Jahr ihr einhundertjähriges Bestehen. Ein letzter Triebwagen dieser dampfgetriebenen Einschienenbahn, die 1907 Ohrenstein & Koppel, Berlin, lieferte, dreht jeden Sonntag seine Runden im Eisenbahnmuseum von Delhi. 
2008
Am 26. November 2008, einem Mittwoch, wird Mumbai von 5 Kommandos aus Pakistan heimgesucht. Die 10 Mitglieder der islamistischen Organisation Lashkar-e-Toiba landen mit einem Fischerboot an. Sie richten ihre Agression zunächst gegen Gäste des Cafe Leopolds und greifen nach den Hotels Taj Mahal und Oberoi, auch den Hauptbahnhof Victoria Terminus an. Sie richten ein Blutbad unter den Bahnreisenden an. Auf der Victoria Railway Station sterben 58 Menschen und bleiben 104 Verletzte zurück. In ganz Bombay werden an diesem Tag 165 Menschen massakriert, darunter auch drei Deutsche, und über 300 Menschen schwer verletzt. Lashkar-e-Toiba , die "Armee der Reinen", wie sich diese Gruppierung irreführend bezeichnet,  unterhält offen und unbehelligt Ausbildungslager und Koranschulen in Pakistan.
2009
Die Fertigstellung der anspruchsvollen Hochgebirgsstrecke ins Kaschmir-Tal verzögert sich erneut. Der Schwierigkeitsgrad der Streckenführung durchs Pir-Panjal-Gebirge hat Indian Railways vollkommen überrascht. Tunnelprobleme auf unsicherem Grund, plagen die Planer. Weiterhin faltet sich der Himalaya auf. In den Tunnels quert die Trasse mehrmals Gesteinsbruchlinien, die sich beständig in der Auffaltung des Gebirges weiten, was zum Einsturz einiger bereits fertiggestellter Tunnel geführt hat. Tunnelbauer aus Österreich und der Schweiz unterstützen seit 2008 Indian Railways.
2010
Der sogenannte "Armutskrieg Indiens", geführt um die Rohstoffreserven im Stammesgürtel der Urbevölkerung, die sich ausgeschlossen sieht von einer Teilhabe am wachsenden wirtschaftlichen Wohlstand, eskalierte am 28. Mai 2010, um 01.30 Uhr Ortszeit, in Westbengalen, mit einem Anschlag auf den Nachtzug von Howrah (Kalkutta) nach Lokmaniya Tilak Terminus (Mumbai), den zu behindern, unbekannte Attentäter, nahe der Bahnstation Sardiha, 50 bis 60 Schienenklammern (sogenannte Pandrol Clips) mutwillig und routiniert von den Schwellen entfernten und der Strecke sogar ein meterlanges Stück Schiene entnahmen, worauf der 2102 Jnaneswari Express in voller Fahrt entgleiste. Von den 13 umgestürzten Liegewagen fielen fünf Waggons auf das Parallelgleis und wurden von einem Güterzug zermahlmt. 148 Menschen starben in jener Nacht in einem von Maoisten kontrollierten Gebiet. 



Letzte Änderung: 14. Januar 2015  - Mittwoch - 13.37 Uhr (vorläufige Endfassung)


 
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